Landtagswahlen: Koalitionsverhandlungen in Mecklenburg-Vorpommern können beginnen

Landtagswahlen: Koalitionsverhandlungen in Mecklenburg-Vorpommern können beginnen


Für unseren Newsblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Alle Nachrichten, Analysen und Hintergründe zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin finden Sie zudem auf unseren Themenseiten. 

Wichtige Updates

Auch die Grünen sagen Ja: Koalitionsverhandlungen über Rot-Rot-Grün können beginnen

Nach SPD stimmt auch Linke für Koalitionsverhandlungen 

Linke-Politiker kritisieren Einigung zum Antisemitismus 

„taz“-Bericht wirft Fragen zu CDU-Abstimmungsverhalten auf 

AfD-Rechtsaußen Tillschneider an Teilnahme an Halle-Gedenken gehindert 

Mecklenburg-Vorpommern

Auch die Grünen sagen Ja: Koalitionsverhandlungen über Rot-Rot-Grün können beginnen

Nach SPD und Linken haben auch die Grünen für Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer rot-rot-grünen Landesregierung gestimmt. Einen entsprechenden Beschluss fasste ein Kleiner Parteitag in Rostock ohne Gegenstimmen und Enthaltungen. Sollten die Verhandlungen zu einer Einigung führen, wäre es für die Grünen das erste Mal, dass sie an einer Landesregierung in dem Bundesland beteiligt würden.

SPD und Linke hatten bereits am Freitag grünes Licht für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen gegeben. Diese sollen nach Worten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Montag um 11 Uhr beginnen.

Wahlgewinner und klar stärkste Kraft wurde am 20. September die AfD. Mit 32 Sitzen hat sie jedoch keine Mehrheit im Schweriner Landtag mit seinen insgesamt 71 Abgeordneten. SPD (29), Grüne (5) und Linke (5) verfügen zusammen über mehr als die Hälfte der Sitze. Klappt die Regierungsbildung, haben sie mit 39 Sitzen drei Mandate mehr, als sie für die Mehrheit benötigen.

Sarah Crone

Berlin

Linke-Politiker kritisieren Einigung zum Antisemitismus 

An der Einigung der Berliner Linken, Grünen und der SPD zum Thema Antisemitismus gibt es scharfe Kritik aus den Reihen der Linkspartei. „Die darin enthaltenen Formulierungen übernehmen Narrative einer medialen Hetzkampagne“, heißt es in einer Stellungnahme, zu deren Unterzeichnern eine Reihe von Linke-Abgeordneten aus dem Bundestag und neu gewählte Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses zählen. Zuerst hatte der Tagesspiegel darüber berichtet.

Die dabei verwendeten Begriffe im Zusammenhang mit Antisemitismus seien so weit und dehnbar gefasst, dass sie gegen jede Kritik an der israelischen Besatzungspolitik ins Feld geführt werden könnten. Noch schwerer wiege, was damit politisch in Gang gesetzt werde: „SPD und Grüne tragen Disziplinierungs- und Spaltungsmechanismen von außen in die Partei Die Linke hinein“, kritisieren die etwa 120 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner. „Das Ziel ist klar: Sie wollen uns in „gute“ und „böse“ Linke einteilen, um Die
Linke als Ganzes zu schwächen.“

Die Verfasser kritisieren auch die Berliner Linke-Landesspitze: „Dass sich unsere Berliner Verhandlungsführer*innen diesem Druck von SPD und Grünen gebeugt haben, halten wir für einen schweren politischen Fehler, der schnellstens korrigiert werden muss.“ Unter den Unterzeichnern sind auch zahlreiche Linke, die nicht aus Berlin kommen.

Berlins Linke-Landesvorsitzender Max Schirmer reagierte auf die Kritik: „Dass jetzt natürlich bei uns in der Partei lebhaft diskutiert wird, das war uns klar. Das ist auch gut so, weil wir sind eine Partei, die vieles miteinander austragen muss und auch sehr offen miteinander ins Gespräch geht“, sagte er. „Wir haben tatsächlich sehr hohe Hürden auch bei uns in der Partei immer diskutiert für eine neue Koalition.“

Grüne und SPD hatten eine Vereinbarung zum Vorgehen gegen Antisemitismus, zum Umgang mit Rassismus und organisierter Kriminalität zur Bedingung für den Beginn von Sondierungsgesprächen zur Bildung einer neuen Landesregierung gemacht. Hintergrund sind mehrere Vorfälle bei der Linken, die Besorgnis bei den potenziellen Koalitionspartnern ausgelöst hatten.

Am Donnerstag hatten die Linke-Landeschefin Kerstin Wolter, Grünen-Fraktionschef Werner Graf und der SPD-Landesvorsitzende Steffen Krach die Vereinbarung vorgestellt. Partei- und Fraktionsmitglieder, die gegen die beschlossenen Grundsätze verstoßen, müssen demnach mit dem Ausschluss rechnen. „Über die Konsequenzen entscheidet sie (die betroffene Fraktion) in eigener Verantwortung und kommuniziert ihre Entscheidung transparent“, heißt es in der Vereinbarung.

Die Erinnerung an den Holocaust müsse wachgehalten werden, jüdisches Leben müsse gestärkt werden, ebenso die Behörden: „Wir stärken die Polizei und den Verfassungsschutz in ihrem Auftrag, jüdisches Leben in Berlin zu schützen. Sie erhalten die erforderliche Ausstattung und Fachkompetenz, um antisemitische Straftaten und Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.“ Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter sagte bei der Vorstellung der Einigung, Antisemitismus habe in Berlin keinen Platz. Das Existenzrecht Israels sei „unverhandelbar“. Die Sondierungsgespräche haben am Donnerstag begonnen. 

Juri Auel

Mecklenburg-Vorpommern

Nach SPD stimmt auch Linke für Koalitionsverhandlungen 

Nach der SPD hat auch die Linke in Mecklenburg-Vorpommern für Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer rot-rot-grünen Landesregierung gestimmt. Der Landesvorstand fasste den Entschluss am späten Abend nach einer mehrstündigen Online-Sitzung. Die Grünen wollen bei einem Kleinen Parteitag am Samstag in Rostock entscheiden. Der Vorsitzende des Landesverbandes und der neuen Linken-Fraktion im Landtag, Hennis Herbst, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Beschluss sei einstimmig gefasst worden.

Nach dem Abschluss der zweiwöchigen Sondierungsgespräche am Freitag hatten die Verhandlungsführer von SPD, Linken und Grünen ihren Parteigremien die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen empfohlen. Die SPD stimmte am frühen Abend zu. Landesvorstand, Landesparteirat und Landtagsfraktion waren dazu in Güstrow zusammengekommen. Stimmen auch die Grünen zu, sollen die Koalitionsverhandlungen am Montag beginnen. Das Ziel ist die erste rot-rot-grüne Landesregierung in der Geschichte des Bundeslandes. 

Juri Auel

Sachsen-Anhalt

„taz“-Bericht wirft Fragen zu CDU-Abstimmungsverhalten auf 

Mindestens drei CDU-Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt haben laut einem Bericht der „taz“ die Unwahrheit über ihr Abstimmungsverhalten bei der Wahl von Landtagspräsident Tobias Rausch (AfD) gesagt. Die taz hatte nach eigenen Angaben alle CDU-Abgeordneten gefragt, wie sie abgestimmt haben. Demnach antworteten acht von ihnen, dass sie sich enthalten haben. Es gab allerdings bei der geheimen Abstimmung lediglich fünf Enthaltungen. 
Carim Soliman

Sachsen-Anhalt

AfD-Rechtsaußen Tillschneider an Teilnahme an Halle-Gedenken gehindert 

Der rechtsextreme Vizepräsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider (AfD), konnte nicht wie geplant an der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das rechtsextreme Attentat in Halle an der Saale teilnehmen.

Wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Halle bestätigte, wollte Tillschneider das Gelände der Synagoge kurz vor Beginn der Gedenkveranstaltung am Mittag betreten. Mehrere Anwesende verhinderten das, indem sie eine Menschenkette vor dem Eingang zu dem Gelände bildeten.

Es habe sich um eine spontane Versammlung gehandelt, so die Polizei. Mitglieder der Versammlungsbehörde hätten zwischen Tillschneider und den Demonstrierenden vermittelt, die Situation sei ruhig geblieben. Nach längerer Diskussion habe der AfD-Politiker den Ort schließlich verlassen.

In einer schriftlichen Stellungnahme verurteilte Tillschneider, dass ihm die Teilnahme an der Gedenkfeier verwehrt wurde. Er habe Landtagspräsidenten Tobias Rausch vertreten wollen, zu dessen Aufgaben solche Termine gehörten. Dass er „in pöbelhafter Weise“ daran gehindert und dabei „als Nazi beschimpft“ wurde, verdeutliche, „wie wenig Respekt diese Studenten vor der Volksvertretung haben.“ Er habe sich „niemals weder explizit noch implizit gegen jüdisches Leben ausgesprochen“. Zum Schluss des Schreibens lädt Tillschneider den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Halle „auf ein klärendes Gespräch“ im Landtag ein.

Der als rechtsextrem eingestufte Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt gewann im September die Landtagswahl. Tillschneider wurde am Dienstag zum Vizepräsidenten des neuen Landtags in Magdeburg gewählt.

In mehreren Veranstaltungen wird in Halle heute der Opfer des antisemitisch motivierten Anschlags an der Synagoge vor sieben Jahren gedacht. Auch der geschäftsführende Ministerpräsident Sven Schulze und sein Amtsvorgänger Reiner Haseloff (beide CDU) nehmen am Gedenken teil.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in die Synagoge einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er davor eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn 2020 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Anna Schimpp

Sachsen-Anhalt

Prien: Wer im Magdeburger Landtag für AfD-Kandidaten stimmt, muss CDU verlassen 

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien hat den Parteiausschluss für CDU-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt gefordert, die möglicherweise für den AfD-Landtagspräsidenten Tobias Rausch gestimmt haben. „Wir wissen nicht, wer den AfD-Landtagspräsidenten in geheimer Wahl gewählt hat. Aber sollte sich herausstellen, dass es auch CDU-Politiker waren, dann muss es Konsequenzen für sie haben”, sagte die Bundesfamilien- und Bildungsministerin der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. 

Das gelte auch für die erwartete Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten im Dezember. „Die AfD ist eine rechtsextremistische Partei und sie ist angetreten, die CDU zu zerstören“, betonte Prien. Die harte Forderung nach einem Parteiausschluss begründete sie damit, dass der Konflikt drohe, „eine Zerreißprobe für die CDU insgesamt zu werden”. Deshalb müsse klar sein: 

„Wer entgegen unserer Beschlusslage die Nähe und die Zusammenarbeit mit der AfD sucht, der muss die CDU Deutschlands verlassen.“

Karin Prien (CDU)

Prien weiter: „Denn dies droht die Existenz der ganzen Partei zu gefährden.“ Es gebe große Teile der CDU-Wählerschaft, die die Partei nicht mehr wählen würden, wenn sie keine klare Haltung zu einer rechtsextremistischen AfD habe.

Prien kritisierte in der Abgrenzungsdebatte aber auch SPD und Grüne. Diese versuchten immer wieder, die CDU in die rechte Ecke zu rücken und „gleichzeitig einen angeblich heroischen, pathetischen Kampf gegen rechts zu führen – als müsse man auch gegen die CDU kämpfen“. 

Anne Eberhard

Sachsen-Anhalt

Kein Dienstwagen für den AfD-Landtagspräsidenten? BMW zieht Angebot zurück 

BMW stellt dem Landtag von Sachsen-Anhalt künftig kein Fahrzeug mehr für den Landtagspräsidenten zur Verfügung. Die Münchner Konzernzentrale zog am 6. Oktober ein zuvor unterbreitetes Leasingangebot zurück, berichtete zuerst die ZEIT unter Berufung auf die Landtagsverwaltung. An diesem Tag wurde der AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt. Auch der Deutschen Presse-Agentur liegen Informationen vor, wonach eine Verlängerung des Leasingvertrags für das Fahrzeug, das dem Landtagspräsidenten persönlich zugeordnet ist, zurückgezogen wurde. 

Rausch äußerte scharfe Kritik an der Entscheidung von BMW. Er habe mit großer Verwunderung und persönlicher Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass die BMW AG ihr bereits unterbreitetes Leasingangebot zurückgezogen habe, schrieb Rausch in einem offenen Brief an den Vorstand des Autobauers. „Soll künftig die politische Überzeugung eines Menschen darüber entscheiden, ob ein deutsches Unternehmen mit ihm Geschäftsbeziehungen unterhält?“, fragte Rausch in dem Schreiben. Nach Angaben Rauschs wurde das Angebot nur wenige Stunden nach seiner Wahl zum Landtagspräsidenten zurückgezogen. Bislang sei dafür keine nachvollziehbare Begründung öffentlich geworden, kritisierte der 35-Jährige. Wenn die Entscheidung in unmittelbarem Zusammenhang zu seiner AfD-Mitgliedschaft stehe, sei dies fragwürdig. 

Die Dienstwagenflotte von Landesregierung und Landtag umfasst mehrere Fahrzeuge, die meisten davon stammen von BMW. In der Regel sind die Dienstwagen nicht persönlich zugeordnet und werden von mehreren Politikern und Beamten gemeinsam genutzt. Einige wenige, darunter das Gefährt des Präsidenten, sind jedoch personifiziert. 

Rausch soll zunächst den 7er-BMW seines christdemokratischen Vorgängers übernehmen. Das etwa neun Monate alte Fahrzeug wurde bislang mehr als 50 000 Kilometer gefahren. Der Vertrag für das betreffende Auto wäre im November ausgelaufen. Die BMW Group teilte auf Anfrage mit, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern.

BMW-Chef Milan Nedeljković hatte Rechtspopulismus und Nationalismus in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vor wenigen Wochen als „Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort“ kritisiert. Abschottung und Isolationismus schadeten dem Standort Deutschland.

Frühere Landtagspräsidenten fuhren neben BMW zeitweise Audi, auch ein Elektroauto war schon dabei. Die Ausstattung von Parlamenten und Behörden mit Dienstwagen gilt für Autohersteller als Prestigeangelegenheit.

Carim Soliman

Berlin

Linke, Grüne und SPD in Berlin beschließen Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in Berlin nehmen Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung auf. Das teilten die drei Parteien zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus mit.

Voraussetzung für diesen Schritt war eine gemeinsame Verständigung bei dem zuletzt heftig diskutierten Thema Antisemitismus. „Wir schützen jüdisches Leben, stärken das Miteinander und setzen uns für Frieden und Verständigung ein“, hieß es in einer Vereinbarung der drei Parteien. Das Existenzrecht Israels sei „unverhandelbar“. Außerdem einigten sich die Parteien auf den Schutz jüdischen Lebens: „Wir stärken die Polizei und den Verfassungsschutz in ihrem Auftrag, jüdisches Leben in Berlin zu schützen.“

Partei- und Fraktionsmitglieder, die gegen die beschlossenen Grundsätze verstoßen, müssen demnach mit dem Ausschluss rechnen. „Über die Konsequenzen entscheidet sie (die betroffene Fraktion) in eigener Verantwortung und kommuniziert ihre Entscheidung transparent“, so der Beschluss.

Ebenfalls verständigten sich Linke, Grüne und SPD darauf, Kontakte zur organisierten Kriminalität strikt zu meiden und bei Verstößen zu ahnden. Mitglieder des Senats, Mandatsträgerinnen und -träger der Fraktionen und „unsere Parteien wahren eine klare Distanz zu Personen und Personenkreisen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden“, heißt es in der Vereinbarung. Es hieß, man steige auf Basis der Einigung direkt in Sondierungsgespräche ein. Linke, Grüne und SPD haben ihre Sondierungsteams bereits vor geraumer Zeit benannt.

Sondierungen zur Regierungsbildung sind noch keine Koalitionsverhandlungen. Dabei stecken die Beteiligten ab, welche Punkte ihnen besonders wichtig sind und ob Koalitionsverhandlungen überhaupt Erfolg versprechend wären. Solche Gespräche können auch scheitern.

Bei der Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent der Stimmen deutlich stärkste Kraft geworden. Sie setzt nun auf eine rot-grün-rote Koalition. Wenn es dazu kommt, könnte die Partei mit ihrer Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp erstmals eine Regierende Bürgermeisterin in Berlin stellen.

Grüne und SPD hatten eine Vereinbarung zu Antisemitismus, zum Umgang mit Rassismus und organisierter Kriminalität aber zur Bedingung für den Start von Sondierungsgesprächen gemacht. Hintergrund sind mehrere Vorfälle bei der Linken, die Besorgnis auch bei den potenziellen Koalitionspartnern ausgelöst hatten.

Teile der Berliner Linken stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und Palästina und zum Antisemitismus immer wieder in der Kritik. Für Wirbel hatte unter anderem eine Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September gesorgt, bei der ein Oberhaupt einer aus Libanon stammenden und zum Teil kriminellen Großfamilie sowie ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend waren. Letzterer soll der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehen, die von der EU als Terrororganisation eingestuft ist.

Carina Seeburg

Sachsen-Anhalt

Lies: AfD-Politiker als Landtagspräsident „keine Normalität“ 

Die Wahl eines AfD-Politikers als Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt soll sich aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies nicht wiederholen. „Das ist keine Normalität und das darf für Deutschland keine Normalität sein“, sagte der SPD-Politiker im niedersächsischen Landtag. Die Anstrengung aller müsse es sein, Mehrheiten für Parteien der demokratischen Mitte zu gewinnen.

In Sachsen-Anhalt wurde am Dienstag Tobias Rausch zum neuen Landtagspräsidenten gewählt. Er erhielt 48 Stimmen – die AfD und das BSW, die Rausch’ Wahl angekündigt hatten, kommen zusammen aber nur auf 44 Stimmen. Rausch sagte, er habe bei der geheimen Wahl Stimmen von der CDU erhalten. Lies äußerte sich nicht dazu, ob CDU-Abgeordnete den AfD-Mann wählten. Er wolle niemanden etwas unterstellen. Der Ministerpräsident sagte aber, er habe großes Interesse, zu wissen: „Was heißt das für die CDU insgesamt? Ändert das auch den Kurs der CDU?“ Die zusätzlichen Stimmen für den AfD-Mann dürften „ebenfalls keine Normalität sein“.

Die Sachsen-Anhalt-AfD wird vom dortigen Verfassungsschutz seit November 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die Partei geht gegen die Einstufung gerichtlich vor. Das Verfahren war zuletzt ausgesetzt.

Katja Guttmann

Sachsen-Anhalt

BSW will mit AfD ersten Antrag zu Russland-Sanktionen verabschieden 

Nach der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt wollen AfD und BSW im Parlament zeitnah den ersten gemeinsamen Antrag verabschieden. Der Landtag solle feststellen, dass die Politik der gegen Russland gerichteten Sanktionen sowie die Waffenlieferungen und finanziellen Hilfen an die Ukraine gescheitert seien, heißt es in dem Antragsentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Dazu soll es eine Sondersitzung des Parlaments in Magdeburg geben.

Die Landesregierung wird in dem Antrag aufgefordert, „sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, insbesondere durch eine entsprechende Initiative im Bundesrat, für eine Verhinderung der weiteren Eskalation in der Ukraine und für die Verwirklichung einer friedensschaffenden Politik einzusetzen“. Der Fokus sei auf Diplomatie zu legen. „Notwendig sind ein sofortiger Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland.“

Ziel sei eine Normalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sowie eine sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, heißt es weiter im Entwurf. Ein solcher Antrag hätte vor allem symbolische Wirkung, die zentralen Befugnisse hinsichtlich der Ukraine-Hilfen und Russland-Sanktionen liegen in Berlin und bei der EU in Brüssel.

BSW-Fraktionschef Thomas Schulze sagte der dpa, man habe vor der Wahl einen Friedensantrag versprochen. „Dieses Wahlversprechen lösen wir jetzt ein. Magdeburg sendet ein friedenspolitisches Signal an Berlin.“ Seine Stellvertreterin Claudia Wittig betonte: „Wir brauchen eine Politik, die wieder mehr an Köthen als an Kiew denkt.“ Deutschland sei Kriegsfinanzier Nummer eins. „Wir können uns diesen Krieg nicht länger leisten.“

Wittig betonte später vor Journalisten in Magdeburg, man habe sich mit der AfD schnell auf den Antrag geeinigt. „Das heißt überhaupt nicht, dass wir irgendeine von den anderen Positionen der AfD mittragen müssen.“ Sie erwarte vom geschäftsführenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU), dass der Antrag im November in den Bundesrat eingebracht werde.

Die Sondersitzung des Landtags soll am 14. Oktober stattfinden. Laut Geschäftsordnung kann ein Viertel der Mitglieder die Einberufung verlangen. „Der Präsident hat den Landtag unverzüglich zu einer Sitzung zumindest mit dem gewünschten Beratungsgegenstand einzuberufen. Die Sitzung muss binnen angemessener Zeit, spätestens jedoch zwei Wochen nach Eingang des Antrags stattfinden.“

Juri Auel

Berlin

Merz: SPD und Grüne müssen Linken-Bürgermeisterin Eralp in Berlin verhindern 

Kanzler Friedrich Merz hat SPD und Grüne aufgefordert, die Wahl der Linken-Politikerin Elif Eralp zur Regierenden Bürgermeisterin in Berlin zu verhindern. Ihm fehlten die Worte, dass ausgerechnet am Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel ein Regierungsbündnis in der Bundeshauptstadt entstehen könnte, das “unverhandelbare Grundsätze unseres Gemeinwesens” infrage stellen könnte, sagte der CDU-Vorsitzende in seiner Rede bei einer Veranstaltung von Handelsblatt und Wirtschaftswoche in Berlin. “Wir stemmen uns gegen einen wachsenden Antisemitismus in Deutschland.”

“Ich will jedenfalls die Gelegenheit nutzen, an alle Beteiligten der politischen Mitte, vor allem aber an die Grünen und die SPD, zu appellieren, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, mit der Mehrheit, die es gibt, eine Regierende Bürgermeisterin der Linken in unserer Hauptstadt zu verhindern”, sagte Merz. “Ich meine das sehr ernst. Ich kann es mir nicht vorstellen.”
Die Linken verhandeln als Wahlsieger der Berliner Landtagswahl derzeit mit SPD und Grünen. Es gäbe aber auch eine rechnerische Mehrheit für ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen.

Merz sagte, er empfange in zwei Wochen Investoren in Berlin. Diese werde er nicht halten können, “wenn sie das Gefühl haben, dass in diesem Land politisches Chaos herrscht”, sagte er auch in Anspielung auf den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Extremistische Kräfte stellten Grundregeln des Zusammenlebens, die EU und die Nato fundamental infrage. Dazu komme eine naive Betrachtung Russlands. “Deswegen will ich alles tun, um zu vermeiden, dass wir von den politischen Rändern aus eine Destabilisierung unseres Landes weiter erleben.” Dies sei eine gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft, die er nicht alleine leisten könne, sondern nur mit anderen zusammen. 

Carim Soliman

Berlin

Gespräche zur Regierungsbildung gehen weiter 

In Berlin gehen die Bemühungen um die Bildung einer neuen Landesregierung weiter. Linke, Grüne und SPD sind am späten Vormittag zu einem dritten sogenannten Vorgespräch zusammengekommen. Zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus ist das erklärte Ziel eine Verständigung zum Umgang mit dem Thema Antisemitismus.

Spitzenpolitiker der drei Parteien hatten in den vergangenen Tagen bereits zwei Vorgespräche dazu geführt. „Jetzt geht’s weiter“, sagte Spitzenkandidatin und Fraktionsvorsitzende Elif Eralp vor dem erneuten Treffen. Co-Fraktionschef Tobias Schulze ergänzte: „Geschichte wird gemacht.“

Inhaltliche Details zu den bisherigen Vorgesprächen wurden nicht bekannt. Linke, Grüne und SPD teilten am vergangenen Wochenende aber mit, in dieser Woche zu einem Ergebnis kommen zu wollen.

Grüne und SPD hatten vor dem Hintergrund entsprechender Vorfälle bei der Linken eine Verständigung zu diesem Thema zur Voraussetzung für Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung gemacht. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent mit Abstand stärkste Kraft geworden. Sie setzt nun auf eine rot-grün-rote Koalition.

Julia Daniel

Schulze schließt CDU-Unterstützung bei Siegmund-Wahl aus  

Einen Monat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat CDU-Fraktionschef Sven Schulze bekräftigt, dass die AfD bei der Ministerpräsidentenwahl ihres Kandidaten Ulrich Siegmund nicht auf Stimmen der Christdemokraten setzen kann. „Es wird keiner von der CDU zur AfD in irgendeiner Form wechseln. Da braucht auch die AfD nicht drauf hoffen. Wir sehen uns als Oppositionspartei“, sagte der Landesparteichef im „Bericht aus Berlin“ der ARD. Dies hätten alle CDU-Abgeordneten mehrfach bestätigt, sowohl mündlich als auch schriftlich.

Mit Blick auf laufende Gespräche zwischen AfD und BSW über eine Regierungsbildung sagte Schulze, die CDU strebe nicht an, „mit diesen beiden Parteien direkt zusammenzuarbeiten und zu sagen, wir wollen uns da irgendwo beteiligen“. Zusammenarbeit hieße beispielsweise, dass man sich abspricht bei Gesetzen oder bei anderen Dingen, sagte der Ministerpräsident. „Das haben wir nicht vor.“

AfD-Co-Fraktionschef Siegmund will sich im Dezember zum neuen Ministerpräsidenten wählen lassen. Der 35-Jährige geht nach eigenen Worten davon aus, dass er im ersten Wahlgang mit einer „nennenswerten Mehrheit“ gewählt wird. Wie Siegmund ins Amt kommt, ist jedoch offen. Die AfD stellt im Parlament 39 Abgeordnete. CDU, Linke, Grüne und SPD kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, das BSW ist mit 5 Abgeordneten vertreten. Für eine Mehrheit im Parlament braucht es 42 Stimmen.

Am Dienstag kommt der Landtag in Magdeburg der neue Landtag zusammen. Dabei wird sich zeigen, wie die AfD mit Macht umgeht, schreiben Tim Frehler und Iris Mayer:

Sächsisches Innenministerium löscht Post zu Berliner Linken

Nach juristischen Schritten der Berliner Linken hat das sächsische Innenministerium einen umstrittenen Beitrag zur Partei in den sozialen Medien gelöscht. Innenminister Armin Schuster (CDU) wies zugleich den Eindruck zurück, der Beitrag habe aus parteipolitischen Gründen einem Wettbewerber schaden sollen.

Schuster hatte nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin vor anderthalb Wochen auf Instagram Bedenken über eine mögliche Regierungsbeteiligung der Partei geäußert. Dabei ging er auf die Themen Antisemitismus und kriminelle Clans ein und bezeichnete den Wahlsieg der Linken als „Schlag ins Gesicht rechtschaffener Bürger“. Daraufhin forderte die Linke das Ministerium über eine Anwaltskanzlei auf, bis zum 2. Oktober eine Unterlassungserklärung abzugeben. Der Beitrag war über offizielle Social-Media-Konten des sächsischen Innenministeriums verbreitet worden.

Schuster erklärte jetzt, er habe vor einer Einflussnahme auf die Politik warnen wollen. Die gemeinsame öffentliche Darstellung von „Clanchefs“ und Personen des öffentlichen Lebens folge nach Erfahrung der Sicherheitsbehörden einer Strategie, „Politik zu beeinflussen“. Es sei seine Aufgabe, „klare Kante gegen jede Form von Clankriminalität, Extremismus oder Antisemitismus zu zeigen“.

Die Berliner Linke geht nach eigenen Angaben auch gegen weitere Politiker vor, die über Social Media der Partei Antisemitismus und Nähe zu kriminellen Clans vorgeworfen haben.

Anna Schimpp

Berlin

Wahlkreisergebnis geändert: AfD holt Direktmandat statt CDU 

Die Neuauszählung eines Wahlergebnisses in Berlin-Spandau hat voraussichtlich auch Folgen für die Zahl der Sitze im Berliner Landesparlament. Bei der Nachzählung im Wahlkreis Spandau 1 stellte sich heraus, dass der AfD-Kandidat Tommy Tabor dort die meisten Stimmen und damit das Direktmandat geholt hat, nicht die CDU-Kandidatin Bettina Meißner, wie Landeswahlleiter Stephan Bröchler auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Zuvor hatte der Tagesspiegel darüber berichtet.

Grund der Nachzählung war Bröchler zufolge, dass die per Telefon übermittelte Schnellmeldung des Ergebnisses nicht mit dem in der Niederschrift des Wahlvorstands übereinstimmte. Dort sei die korrekte Zahl festgehalten worden, nach der Tabor mit 34 Stimmen vorn liegt und nicht Meißner mit 80 Stimmen: „Woran das lag, kann ich im Augenblick nicht sagen.“

Weil die CDU-Kandidatin kein Direktmandat bekommen habe, falle ein Überhangmandat weg. Auch die Zahl der Ausgleichsmandate muss Bröchler zufolge deshalb neu berechnet werden. Dadurch verringert sich die Zahl der Abgeordneten im Landesparlament voraussichtlich: „Es werden 153 Kandidaten einen Sitz im Abgeordnetenhaus erhalten, nicht 158, also fünf fallen weg.“ Das sei zumindest der vorläufige Stand. „Wie sich das über die Parteien verteilt, da sind wir noch in den Berechnungen“, sagte Bröchler. „Schlussendlich muss das alles dann durch den Landeswahlausschuss am 12. Oktober noch bestätigt werden.“ 



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